Das Equine Cushing Syndrom (ECS)

Das Equine Cushing Syndrom (ECS)ECS, auch bekannt als Equiner Hyperadrenocortizismus oder Dysfunktion der Pars intermedia (DPI), ist eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die meist bei älteren Pferden ab 18 Jahren auftritt. Es bilden sich hier tumoröse Veränderungen, die eine Überproduktion von Peptidhormonen, d. h. Adreno-Corticotrope-Hormone (ACTH), ß-Endorphine und Pro-Opiomelanocortin (POMC) verursachen.

Symptome

Mögliche Symptome der Krankheit ECS wären: ·

  • Langes Winterfell (auch im Sommer)
  • Leichtes bis starkes Schwitzen
  • Lethargie
  • Schlechte Bemuskelung
  • Unfruchtbarkeit
  • Schlechte Wundheilung
  • Schwaches Immunsystem
  • Hohe Wasseraufnahme und Harnproduktion
  • Hufrehe, Hufgeschwüre
  • Diabetes mellitus
  • Über-/Untergewicht
  • Abnorme Fettspeicher im Nacken-, Schulter- oder Kruppenbereich
  • Lahmheiten und Zahnabbau, bedingt durch den Proteinabbau (s. unten)

Dies sind nur mögliche Symptome, die nicht zwangsweise auftreten müssen. Der Beginn der Krankheit ist schleichend, sie ist anfangs äußerlich nicht erkennbar und wird häufig auch mit den ganz normalen „Alterungsbeschwerden“ eines Pferdes verwechselt.

Verlauf der Krankheit

Das Hormon ACTH, welches durch die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet wird, gelangt in die Nebennierenrinde und regt dort die Produktion des Hormons Kortisol an. Tumoröse Veränderungen an der Hypophyse verursachen eine Überproduktion von ACTH. Zu viel ACTH bedeutet auch zu viel Kortisol im Körper. Die Überproduktion von Kortisol wiederum bewirkt eine Schwächung der Abwehrkräfte und eine Störung des Protein-Stoffwechsels, was sich auf die Muskeln auswirkt und zu Muskelschwund führen kann.

Da die entarteten Zellen keine Kortisolrezeptoren besitzen, wird kein negatives Feedback in der Hirnanhangdrüse erzeugt und die Ausschüttung von ACTH nicht gebremst. Kortisol hat viele Funktionen im Organismus. Als Gegenspieler von Insulin fördert es die Glukoneogenese (die Produktion von Glukose aus Eiweiß und Fett), die großteils in der Leber stattfindet. Zu viel Kortisol bewirkt also einen Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Der Kortisolwert muss beim kranken Pferd nicht erhöht sein, er ist aber auf jeden Fall gestört. Diagnose Es gibt verschiedene Verfahren, um ECS nachweisen zu können:

  1. Der Dexamethanson-Suppressionstest Hierbei wird zunächst der Kortisolwert im Körper des Pferdes gemessen. Anschließend spritzt der Tierarzt Dexamethason, das dem Kortisol ähnelt und misst wieder den Kortisolwert. Beim gesunden Pferd bewirkt die Fremdzuführung von Dexamethason eine Unterdrückung bzw. verringerte Ausschüttung von Kortisol auf 1 – 0,5 mg/dl und darunter. Beim kranken Pferd ändert sich nichts an der Kortisolproduktion. Vorsicht!!Dexamethason ist ein Kortisonpräparat. Es könnte also Hufrehe auslösen und sollte nicht bei Pferden mit bestehender Hufrehe oder Störungen des Stoffwechsels angewendet werden.
  2. Völlig risikolos ist die Bestimmung von ACTH im Körper des Pferdes.Ein erhöhter ACTH-Wert ist durch eine einfache Blutuntersuchung feststellbar. Bei allen Tests ist es enorm wichtig, dass die Blutproben sofort zentrifugiert, eingefroren und ins Labor verschickt werden, da die Werte ansonsten verfälscht würden. Normwerte: Kortisol = 3 –6,7 µg/dl ACTH  = 20–50 pg/ml

Behandlung

ECS wird heute fast ausschließlich mit Pergolid behandelt, das beim Menschen gegen Parkinson eingesetzt wird. Die Behandlung sollte langsam eingeschlichen werden, d. h., man fängt mit einer geringen Menge von Pergolid an und erhöht langsam, bis die indivdiduelle Dosierung erreicht ist. Dies muss natürlich in enger Zusammenarbeit mit dem Tierarzt erfolgen, ggf. sind auch während der „Einschleich-Phase“ noch weitere ACTH-Bestimmungen erforderlich, um die möglichst genaue Dosierung für das Pferd feststellen zu können. Es gibt aber auch andere Medikamente, wie Trilostan, das in den Kortisolhaushalt eingreift oder Bromocriptin und Cyproheptadin, die Einfluss nehmen auf die Hormonproduktion im Körper. Zusätzlich sollte auf eine begleitende Diät geachtet werden, insbesondere ist auf eine stärkearme Ernährung zu achten. Unterstützend können sehr gut verschiedene Kräutermischungen für den Stoffwechsel verabreicht werden. Hier eignen sich sehr gut Winnie´s Best Mix oder auch das „Seniorenwohl“. Pferde, die rehegefährdet sind, profitieren oft von der regelmäßigen Zufütterung der „Huf-Hilfe“. Auch gelegentliche Kuren mit Vitamin E und Selen sind anzuraten. Generell sollte der Stoffwechsel von ECS-Pferden unterstützt werden, da dies die Lebensqualität der Tiere deutlich positiv beeinflusst. Eine anhaltende Therapiekontrolle zur Dosiseinstellung und ACTH-Bestimmung ist wichtig. Anfangs noch im Abstand von 4 bis 8 Wochen, danach im Rhythmus von 3 bis 6 Monaten.